Denk Dir die schweiz

Am Dienstag fand die letzte Veranstaltung im Rahmen von Salon Utopia statt. „Denk dir die Schweiz“ hiess sie, und genau das wurde gemacht.


Schon zu Beginn wird jeder aus dem Publikum gebeten selber mitzudenken und ein utopisches Wahrzeichen der Schweiz aufzuzeichnen. Die vier „Vordenker“ und Hauptpersonen des Abends, Ursula Pia JauchGreisRoman Tschäppeler und Detlef Gürtler, stellen anschliessend einige Wahrzeichenzeichnungen vor. Spannend ist zum Beispiel das Bild der Schweiz als Baumstamm. Es gibt das Innere, die Schweizer Geschichte, unsere Traditionen, und dann ganz viele verschiedene Schichten, die um das Innere  herum wachsen und den Baumstamm stärken.

Im zweiten Teil des Abends werden die vier „Vordenker“ gebeten einen neuen Verfassungsartikel für die Schweiz zu entwerfen. Verdoppelung des Primarschulbudgets, das Anrecht auf 20% Heiterkeit und Sonnenschein, mehr Stimmgewicht für Junge als für Alte, das Verbot von Embryonen-Genmanipulation. Ideen werden gesammelt, diskutiert, wieder verworfen oder konkretisiert. Schlussendlich darf das Publikum demokratisch, wie es sich ja in der Schweiz gehört, abstimmen, welche Artikel angenommen werden sollen. Damit ist der zweite Teil des Abends abgeschlossen. Als letzte Aufgabe dürfen Ursula Pia JauchGreisRoman Tschäppeler und Detlef Gürtler eine utopische Stadt entwerfen, durch die das Publikum am Schluss geführt werden soll. Dabei wird zum Beispiel diskutiert, ob es besser einen „Speakers Corner“ gibt, bei dem alle ungezwungen ihre Meinungen äussern können, oder lieber einen „Makers Corner“, einem Ort wo nicht nur geredet, sondern wirklich gehandelt wird. Mein Lieblingsort in der utopischen Stadt ist ein Kafffeehaus, indem es alle Zeitungen der Welt geben soll, und man unbegrenzt lange sitzen bleiben und käffele darf.

Ganz zum Schluss präsentiert Greis noch einen neuen Text, den er während des Abends geschrieben hat, und ein Schweizer Wahrzeichen-Gewinner wird gekürt. Natürlich wird auch da wieder demokratisch abgestimmt und die Mehrheit entscheidet, dass Äpfel und Berge eben doch am schweizerischsten sind.

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Utopische Salongespräche nr.3

Was bleibt nach dem letzten Gong? Was bleibt, nachdem man das Weinglas nach einem letzten Schluck fast bedächtig auf den bunt beschriebenen Tisch stellt, noch einmal allen die Hand reicht, alles Gute wünscht und sich langsam aber sicher an der Bar vorbei raus auf die Strasse schleicht, zurück ins Leben? Es bleibt, so hofft man, was gesagt wurde, es bleiben Inhalte, vielleicht sogar Wahrheiten. Es bleibt die Diskussion, irgendwo, vielleicht nicht zur Gänze in unseren Köpfen, aber  zwischen und über uns, im geistigen Raum, in unseren Meinungen, in zukünftigen Gesprächen, in diesem Blog. Doch mit was befasste sich die Diskussion vom Dienstag?

Wenn wir an den ersten beiden Terminen darüber gesprochen haben, was die Zukunft erwartungsgemäss für die Gesellschaft im Allgemeinen und für uns Individuen im Spezifischen bereithält, so war der Modus dieser Diskussionen deskriptiv, also beschreibend. Das zentrale Vorhaben war, unsere Realität und deren absehbare Entwicklungen nach bestem Wissen und Gewissen zu erfassen, zu verstehen und erst in einem weiteren Schritt allenfalls kritisch zu hinterfragen. Das Diskutieren über Utopien unterscheidet sich davon methodisch, es ist nicht beschreibend, will keine existenten Phänomene abbilden oder rekonstruieren, es ist normativ, will Ideales formulieren, Sollzustände konstruieren und, ganz allgemein, erfassen, was gut ist. Aus genau diesem Grund war für mich die letzte geschlossene Diskussion des Salon Utopia besonders wichtig und in einem Sinne auszeichnend, gar paradigmatisch für das Projekt an sich. Denn das normative Denken, das Denken darüber, was sein soll und was nicht, fristet in der intellektuellen Kultur von heute eher ein Schattendasein, es verkommt zu einem Werkzeug politischer Rhetorik, wird aus Wissenschaft und Kultur verdrängt, gilt häufig als blauäugig, als eben in allen Belangen utopisch, unnütz. Doch wie wollen wir überhaupt von sozialem Wandel reden, von gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklung, von Gut und Schlecht, wenn wir kein Konzept davon haben, was sein soll und was nicht, wohin wir uns entwickeln sollen, wodurch etwas gut wird, wodurch schlecht, oder wenn wir uns zumindest weigern, die Diskussion darüber in der Öffentlichkeit und doch frei von politischen Zwängen zu führen? Dies ist es also, was ich aus unserem abschliessenden Treffen extrahieren möchte, eine Feststellung, die erstmal nichts mit konkreten utopischen Ideen zu tun hat: Damit wir uns als Gesellschaft entwickeln können und damit diese Entwicklung nicht eine zufällige, sondern eine zum Besseren gerichtete sein kann, brauchen wir die normative Diskussion. Vielleicht müssen es keine kompletten, in sich geschlossenen Utopien sein, die wir uns als Sollwerte vorhalten, aber doch zumindest nicht weniger als ein offenes, hinterfragbares Konzept darüber was gut ist.

Liebe Grüsse und machts gut!

Fabian für Salon Utopia

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Fotos vom 20.1.15

Die Fotos der letzten geschlossenen Diskussionsrunde finden sich jetzt auf der Website unter "salon utopia" --> "galerie"

Viel Spass beim Durchsehen!

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